Über die Branchenwesentlichkeitsanalyse
Eine branchenbezogene Wesentlichkeitsanalyse identifiziert die wichtigsten Themen für eine bestimmte Branche. Sie hilft Unternehmen, relevante Risiken und Chancen zu erkennen und ihre Nachhaltigkeitsstrategie gezielt auszurichten. Hier findest Du eine Übersicht der bisherigen Veröffentlichungen.
Für viele Nachhaltigkeitsmanager fühlt sich die erste Wesentlichkeitsanalyse unter CSRD und ESRS wie ein Sprung ins kalte Wasser an: hohe Komplexität, viele Datenpunkte und die Frage, wo man eigentlich anfangen soll. Genau hier können Branchenwesentlichkeitsanalysen einen echten Unterschied machen. Sie nehmen Unternehmen einen Teil der Vorarbeit ab, indem sie typische Auswirkungen, Risiken und Chancen einer Branche bereits strukturiert aufbereiten – und damit einen klaren Einstieg in den eigenen Analyseprozess ermöglichen.
Gerade im Arbeitsalltag zeigt sich schnell, wie wertvoll das ist: Statt bei null zu beginnen, können Sie auf bestehenden Vorüberlegungen aufsetzen, den Analyseprozess deutlich effizienter gestalten und interne Diskussionen schneller auf eine fundierte Basis stellen. Gleichzeitig sorgt eine solche Orientierung für mehr Konsistenz innerhalb der Branche und hilft, Unsicherheiten bei der Themenauswahl zu reduzieren. Kurz gesagt: Branchenwesentlichkeitsanalysen sparen nicht nur Zeit und Ressourcen, sondern schaffen auch mehr Klarheit und Struktur – ohne die notwendige unternehmensindividuelle Bewertung zu ersetzen.
Übersicht von Branchenwesentlichkeitsanalysen
Chemie³
Chemie³-Praxisguide Nachhaltigkeitsberichterstattung
Das Dokument „Chemie³-Praxisguide Nachhaltigkeit Wesentlichkeitsradar“ bietet eine branchenspezifische Orientierungshilfe für Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie zur Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung gemäß der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und der EU-Taxonomie-Verordnung.
Verband Deutscher Reeder
Nachhaltig auf Kurs – neuer VDR-Leitfaden
Der Leitfaden unterstützt Reedereien dabei, Nachhaltigkeitsanforderungen (ESG) und insbesondere die Nachhaltigkeitsberichterstattung umzusetzen. Er übersetzt komplexe Vorgaben – etwa aus EU-Richtlinien wie der CSRD – in konkrete, branchenspezifische Schritte und hilft Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsstrategie systematisch aufzubauen und weiterzuentwickeln.
ASEW & plant values
Branchenlösungen für Stadtwerke
Der Leitfaden „Branchenlösung für Stadtwerke“ von plant values und ASEW unterstützt Energieversorgungsunternehmen bei der Umsetzung der ESRS/CSRD. Er zeigt, wie relevante Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs) entlang der Wertschöpfungskette identifiziert und bewertet werden, umfasst branchenspezifische ESG-Themen, Hinweise für Kapitalgeber und die Zuordnung von Datenpunkten, und wird durch ein Excel-Tool ergänzt, das die systematische Analyse und Ableitung von Maßnahmen ermöglicht.
BDEW, DVGW, DWA & VKU
Branchenleitfaden der deutschen Wasserwirtschaft zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nach ESRS
Der DWA-Leitfaden unterstützt Unternehmen der Trink- und Abwasserwirtschaft bei der Umsetzung der ESRS/CSRD. Er erklärt die Methodik der Wesentlichkeitsanalyse, liefert branchenspezifische Beispiele zu Nachhaltigkeitsthemen und bietet ein Excel-Tool zur systematischen Bewertung relevanter Aspekte, damit Unternehmen ihre Berichterstattung praxisnah und transparent gestalten können.
BDSI
Drei Branchenleitfäden zur Doppelten Wesentlichkeitsanalyse
Die Branchenwesentlichkeitsanalyse des BDSI betrifft Unternehmen der Süßwarenindustrie, also Hersteller von Schokolade, Zuckerwaren, Gebäck, Snacks und ähnlichen Produkten. Sie zeigt, welche Nachhaltigkeitsthemen nach CSRD besonders relevant sind, und bewertet sowohl die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft als auch die finanziellen Risiken und Chancen, damit Unternehmen ihre Berichterstattung systematisch und transparent gestalten können.
Die Papierindustrie
Wesentlichkeitsanalyse für die Papierindustrie
Die Papierindustrie hat eine Branchenlösung zur Wesentlichkeitsanalyse nach CSRD/ESRS entwickelt. Sie umfasst ein Excel-Tool mit branchenspezifischen Impacts, Risks und Opportunities (IROs) sowie einen Leitfaden zur Methodik. Damit können Unternehmen ihre eigenen Analysen durchführen, vergleichen und anpassen, um die doppelte Wesentlichkeit – Wirkung und finanzielle Relevanz – systematisch zu bewerten.
ZIV die Fahrradindustrie
Wesentliche Nachhaltigkeitsthemen der Fahrradbranche
Das ZIV-Dokument bietet Fahrradunternehmen eine Orientierung zur Wesentlichkeitsanalyse nach ESRS/CSRD. Es identifiziert 15 zentrale Nachhaltigkeitsthemen wie Klimawandel, Kreislaufwirtschaft und Arbeitsbedingungen und unterstützt Unternehmen dabei, Auswirkungen, finanzielle Risiken und Chancen systematisch zu bewerten und in ihre Nachhaltigkeitsstrategie zu integrieren.
VDMA
VDMA-Benchmark Branchenwesentlichkeit nach ESRS (CSRD) im Maschinen- und Anlagenbau
Die VDMA-Benchmark Wesentlichkeit nach ESRS“ vom 24. Juni 2024 zeigt, welche Nachhaltigkeitsthemen für den Maschinen- und Anlagenbau im Rahmen der CSRD/ESRS besonders relevant sind. Es basiert auf einer Branchenbefragung und bewertet Themen wie Klimaschutz, Energie, Ressourcennutzung, Gesundheit und Entlohnung sowohl in ihrer Impact- als auch finanziellen Wesentlichkeit. Die Ergebnisse dienen Unternehmen als Vergleichsmaßstab für eigene Analysen, ergänzt durch Hinweise auf VDMA-Unterstützungsangebote wie Leitfäden, Vorlagen und Schulungen.
Milchindustrieverband e.V.
Gekürzte Fassung des Leitfadens CSRD-Branchenlösung des Milchindustrie Verbands e. V.
Das ZIV-Dokument bietet Fahrradunternehmen eine Orientierung zur Wesentlichkeitsanalyse nach ESRS/CSRD. Es identifiziert 15 zentrale Nachhaltigkeitsthemen wie Klimawandel, Kreislaufwirtschaft und Arbeitsbedingungen und unterstützt Unternehmen dabei, Auswirkungen, finanzielle Risiken und Chancen systematisch zu bewerten und in ihre Nachhaltigkeitsstrategie zu integrieren.
Hilfestellung für branchenspezifische Vorüberlegungen
Gute Nachrichten für Verbände und Unternehmen, die sich mit den steigenden Anforderungen rund um CSRD und ESRS beschäftigen: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) haben eine wirklich gelungene Informationsbroschüre zur branchenbezogenen Wesentlichkeitsanalyse veröffentlicht. Statt trockener Theorie bietet die Publikation eine verständliche und praxisnahe Anleitung, wie branchenspezifische Auswirkungen, Risiken und Chancen identifiziert und sinnvoll bewertet werden können. Das macht es Verbänden deutlich leichter, ihren Mitgliedern eine erste Orientierung zu geben und den Einstieg in die Wesentlichkeitsanalyse strukturiert anzugehen.
In der Einordnung zeigt sich: Die Broschüre kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Viele Organisationen stehen aktuell noch am Anfang ihrer Auseinandersetzung mit den ESRS-Anforderungen und suchen nach praktikablen Ansätzen. Genau hier setzt die Hilfestellung an, indem sie die Lücke zwischen komplexen regulatorischen Vorgaben und der praktischen Umsetzung schließt. Gleichzeitig bleibt klar: Sie ersetzt keine unternehmensindividuelle Analyse, sondern bietet eine fundierte Grundlage, auf der Unternehmen effizient aufbauen können.
Fazit zu branchenspezifischen Wesentlichkeitsanalysen
Branchenspezifische Wesentlichkeitsanalysen können Unternehmen einen hilfreichen Einstieg in die ESRS-Anforderungen bieten und insbesondere zu Beginn Orientierung schaffen. Aus unserer Sicht ist es jedoch wichtig, diese Ergebnisse stets kritisch zu hinterfragen. Häufig basieren die zugrunde liegenden Bewertungen auf qualitativen Einschätzungen, während eine belastbare quantitative Fundierung noch fehlt. Die angewandten Bewertungsmethodiken weisen in der Regel klare Limitationen auf, die bei der Nutzung unbedingt berücksichtigt werden sollten.
In der Praxis bedeutet das: Unternehmen können wertvolle Impulse und erste Einschätzungen aus Branchenanalysen mitnehmen, sollten diese jedoch keinesfalls unreflektiert übernehmen oder zur alleinigen Grundlage ihrer eigenen Wesentlichkeitsanalyse machen. Die unternehmensindividuelle Analyse bleibt zwingend erforderlich und muss in jedem Fall eigenständig und fundiert durchgeführt werden.
Gleichzeitig lässt sich festhalten, dass branchenspezifische Ansätze ein sinnvoller Ausgangspunkt sind, auf dem aufgebaut werden kann – auch wenn es noch deutliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten gibt, insbesondere im Hinblick auf die Bewertungsmethodik. Genau hier setzen weiterführende Leitfäden zur Wesentlichkeitsanalyse an: In unserem eigenen Leitfaden zur Wesentlichkeitsanalyse zeigen wir, wie eine präzisere und differenziertere Bewertungsmethodik ausgestaltet werden kann, um zu belastbareren und nachvollziehbareren Ergebnissen zu kommen.