Biodiversitätsmanagement |
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9 Fragen an Stadtbienen.

Verfasst von Malte Glatthaar

Wer oder was ist Stadtbienen?

Die Stadtbienen gGmbH verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz zur Förderung von Bienenvielfalt und gesunden Ökosystemen. Dafür arbeitet das gemeinnützige Sozialunternehmen mit Unternehmen, Schulen, Ministerien und einem großen Netzwerk ökologischer Imker:innen zusammen. Mit der Biene als Botschafterin sensibilisiert Stadtbienen mit Bildungsprojekten verschiedenste Zielgruppen für ökologische Zusammenhänge, gestaltet Habitate für Wildbienen und andere Bestäuber und vertritt dabei eine klare politische und gesellschaftliche Forderung: Mehr Lebensraum für Insekten in der Stadt!

Habt Ihr einen Slogan oder einen Leitsatz?

Unser Slogan: Stadtbienen – gib Bienen ein Zuhause

Unsere Mission/Leitsatz: Bienenvielfalt für gesunde Ökosysteme

Wenn Nachhaltigkeits­manager von nur einer Sache von Euch profitieren könnten, welche wäre das?

Unsere größte Stärke ist es, Unternehmen einen sichtbaren und leicht zugänglichen Einstieg ins Thema Biodiversität zu ermöglichen. Mit Projekten wie der „Wilden Wiese“ oder „Bienen im Unternehmen“ wird Biodiversität direkt am Standort erlebbar – nicht abstrakt, sondern konkret vor der eigenen Tür. Dadurch verbinden wir ökologische Wirkung mit Bildungs- und Erlebnisformaten für Mitarbeitende und Mietende. So entsteht ein Beitrag, der nicht nur Artenvielfalt fördert, sondern auch ein nachhaltiges Bewusstsein im Unternehmen verankert, das weit über die eigene Fläche hinausstrahlt.

Was unterscheidet Euch von anderen Anbietern im Markt?

Was uns von anderen unterscheidet, ist unser Anspruch, wirkungs- statt profitorientiert zu arbeiten. Als gemeinnütziges Unternehmen folgen wir allein unserer Mission: die Förderung der Bienenvielfalt für gesunde Ökosysteme. Dabei geht es uns nicht um das schnelle Aufstellen von Bienenstöcken auf Dächern, sondern um eine ökologische Betreuung zum Wohl der Bienen nach höchsten Standards und um Bildungsarbeit, die Menschen mit der Natur verbindet.

Wir schaffen keine dekorativen Naturkulissen, sondern lebendige Habitate, die gefährdeten Wildbienen und anderen Arten echten Lebensraum bieten – und gleichzeitig für Menschen neue Orte der Begegnung und Erholung eröffnen.

Besonders macht uns auch unser ganzheitlicher Ansatz: Von „Bienen im Unternehmen“ über die „Wilde Wiese“ bis hin zu Bildungsprogrammen und regionalen wie bundesweiten Förderprojekten spannen wir einen Bogen, den andere Marktteilnehmer in dieser Breite nicht bieten. Diese Kombination aus ökologischer Wirkung, sozialer Einbindung und Innovationskraft wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Welche Erfolgsstory macht Euch besonders stolz?

Besonders stolz sind wir auf etwas, das vielleicht nicht wie eine klassische Erfolgsstory klingt: unsere Fähigkeit, uns weiterzuentwickeln, ohne unsere Wurzeln zu verlieren. Die Konstante sind die Bienen – aber während wir vor zehn Jahren fast ausschließlich mit Honigbienen gearbeitet haben, richten wir unseren Blick heute auf die gesamte Vielfalt der Bestäuber. Jahr für Jahr entdecken wir neue Hebel, um Biodiversität zu fördern, und verbinden dies mit Umweltbildung, bei der die Biene als Botschafterin wirkt. Wichtig bleibt dabei: evidenzbasiert statt ideologisch, praxisnah statt dogmatisch.

Wenn es um eine konkrete Projekt-Erfolgsstory gehen soll, dann ist das unser Schritt auf neues Terrain: Mit der „Wilden Wiese“ haben wir unser Portfolio erweitert – von der ökologischen Bienenhaltung hin zur Gestaltung artenreicher Lebensräume. 2024 konnten wir an zehn Unternehmensstandorten Flächen in blühende Biotope verwandeln und diese Umgestaltungen teils durch Bildungsevents begleiten, bei denen Mitarbeitende Biodiversität hautnah erleben konnten.

Die Wilde Wiese ist kein leichtes Produkt: Es hat lange Projektlaufzeiten, erfordert Überzeugungsarbeit und stößt manchmal auf Vorbehalte – viele assoziieren „naturnah“ noch mit „ungepflegt“. Trotzdem haben wir uns bewusst dafür entschieden, weil wir an die Kombination aus ökologischer Wirkung und sozialer Einbindung glauben. Und dieser Glaube trägt: Wir haben dafür neue Kolleg:innen eingestellt, Wissen aufgebaut und gemeinsam mit Unternehmen einen wichtigen Schritt in Richtung lebendiger Städte gewagt.

Was ist aktuell Eure größte Herausforderung?

Unsere größte Herausforderung ist aktuell die Unsicherheit vieler Unternehmen. Zum einen spüren wir eine allgemeine wirtschaftliche Zurückhaltung – viele Verantwortliche haben das Gefühl, dass die Wirtschaft stagniert und Budgets vorsichtig eingesetzt werden müssen. Zum anderen sorgt das Zurückrudern der EU bei CSRD und insbesondere beim Standard ESRS E4 für Verwirrung. Obwohl diese Berichtspflichten langfristig eine große Chance für mehr Biodiversitätsprojekte darstellen, führt die aktuelle Lage kurzfristig oft zu Zögern und Investitionsaufschub.

Für uns heißt das: Wir müssen noch stärker zeigen, dass Biodiversitätsprojekte nicht nur helfen, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen, sondern einen ganz konkreten Mehrwert schaffen. Dazu gehören eine sichtbare Stärkung des Employer Brandings, weil Mitarbeitende stolz auf ein greifbares Nachhaltigkeitsprojekt am eigenen Standort sein können; eine höhere Attraktivität für Kund:innen und Partner, die zunehmend Wert auf glaubwürdiges Engagement legen; die Möglichkeit, ESG- und Nachhaltigkeitsberichte mit echten Inhalten zu füllen, die sich messen und kommunizieren lassen; sowie ganz praktische Vorteile wie die Aufwertung von Unternehmensflächen zu grünen Erholungsorten für Mitarbeitende und Besucher:innen.

Hinzu kommt ein weiterer, oft unterschätzter Aspekt: Finanzinstitute und Versicherer berücksichtigen Biodiversität zunehmend in ihren Entscheidungen – sei es bei Kreditvergabe, Investitionen oder Risikobewertung. Wer hier früh aktiv wird, verbessert nicht nur sein Nachhaltigkeitsprofil, sondern schafft auch Vertrauen bei Kapitalgebern und Versicherern.

Unsere Aufgabe ist es deshalb, die Transformation hin zu mehr Biodiversität nicht nur als Pflicht, sondern als strategische Chance begreifbar zu machen – gerade jetzt, wo Zurückhaltung und Unsicherheit groß sind.

Welche Empfehlung würdest Du Nachhaltigkeits­managern mit auf den Weg geben?

Beginnt dort, wo ihr Wirkung entfalten könnt – am eigenen Standort. Schon eine Potenzialanalyse zeigt, welche eurer Flächen sich für Biodiversitätsmaßnahmen eignen und wie daraus eine ganzheitliche Strategie entstehen kann. Wichtig ist, Projekte zu starten, Wirkung zu messen und so Schritt für Schritt die Biodiversitätsstrategie aufzubauen. Selbst kleine Maßnahmen können ein wichtiger Anfang sein – Hauptsache, man fängt an. Auch Bildungsangebote für Mitarbeitende oder Mieter:innen, die das Thema Biodiversität direkt erlebbar machen und für langfristige Akzeptanz und Begeisterung sorgen, können solche niedrigschwelligen, gut umsetzbaren Maßnahmen sein.

Wir wären nicht DIE Plattform für Nachhaltigkeits­manager, würden wir unsere Partner nicht immer ein großes Highlight entlocken. Welches Highlight habt Ihr unserer Community zu bieten?

Unser Highlight für deine Leser: eine kostenlose Erstberatung zum DGNB-System für biodiversitätsfördernde Außenräume. Gemeinsam mit unserer Landschaftsarchitektin Aline, die als zertifizierte DGNB-Auditorin qualifiziert ist, bieten wir einen Online-Standort-Check an. Dabei prüfen wir, inwieweit Unternehmensliegenschaften die Anforderungen des DGNB-Systems erfüllen und welche Potenziale für eine Zertifizierung bestehen.

Im Anschluss geben wir einen Überblick über den Ablauf und die notwendigen Schritte einer möglichen Zertifizierung. Damit möchten wir Unternehmen helfen, den Einstieg in eine nachhaltige und biodiversitätsfördernde Freiraumgestaltung strukturiert und praxisorientiert zu gestalten. Ganz im Sinne einer wirksamen Biodiversitätsstrategie für das Immobilienmanagement.

Und zum Schluss: Wenn Du einen Wunsch für unsere Enkelgeneration frei hättest, was würdest Du Dir wünschen?

Ich wünsche mir, dass unsere Städte wieder zu lebendigen Lebensräumen werden – Orte, an denen nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen selbstverständlich dazugehören. Wenn Straßen von Blühflächen gesäumt sind, es auf Dächern summt und Kinder in ihrem Alltag Natur erleben können, entsteht eine Stadt, die Vielfalt und Lebensqualität verbindet. Kommende Generationen wachsen dann in einer Umgebung auf, die Natur schützt und ihnen ein gesundes, erfülltes Leben eröffnet.

Erfahre mehr über die Stadtbienen

Stadtbienen setzt sich für urbane Biodiversität und bienenfreundliche Lebensräume ein. Mit praxisnahen Projekten, Workshops und innovativen Konzepten unterstützen sie Städte, Unternehmen und Bildungseinrichtungen dabei, Natur erlebbar zu machen und aktiv zur ökologischen Vielfalt beizutragen. 

Lerne Stadtbienen bei einer kostenlosen Erstberatung zum DGNB-System kennen. 

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