Über den Erfahrungsbericht zum Biodiversitätscheck
Nachhaltigkeitsmanager Vincent Dhom vom Medizintechnikunternehmen ewimed gibt uns im Interview spannende Einblicke über den Biodiversitätscheck. Er schildert, welche Überlegungen und Ziele hinter der Entscheidung für den Biodiversitätscheck standen und wie dieser praktisch umgesetzt wurde. Darüber hinaus teilt er konkrete Ergebnisse, überraschende Erkenntnisse und wertvolle Learnings, die auch für andere Nachhaltigkeitsverantwortliche von Interesse sein können. Dieses Interview ergänzt unseren umfangreichen Leitartikel zum Biodiversitätscheck.
Wie würdest Du Deine Aufgaben und Deine Rolle bei ewimed beschreiben?
Vincent: Ich arbeite als Nachhaltigkeitsmanager bei ewimed, einem Medizintechnikunternehmen. Hier hat Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert und wird von der Geschäftsführung aktiv vorangetrieben. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht in der Berichterstattung nach den EU-Berichtsstandards ESRS und VSME, aber für mich geht es dabei immer auch darum, konkrete Verbesserungen umzusetzen.
Ich bin verantwortlich für unsere EcoVadis-Bewertung und kümmere mich um alle wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen. Dabei setze ich gezielte Maßnahmen um, um unsere Performance kontinuierlich zu verbessern – sei es bei der E-Mobilität, sozialer Nachhaltigkeit oder Biodiversität. Wichtige Punkte für mehr Transparenz und Glaubhaftigkeit sind dabei externe Nachweise, wie die Durchführung unseres Biodiversitätschecks, mit dem wir eine gute Basis legen konnten.
Apropos Biodiversitätscheck. Ich würde gerne mehr über Euren Biodiversitätscheck erfahren. Welche Überlegungen und Ziele standen hinter Eurer Entscheidung, einen Biodiversitätscheck durchzuführen?
Vincent: Die Idee zum Biodiversitätscheck entstand im Rahmen der Berichterstattung nach dem ESRS-Standard im letzten Jahr, bei dem Biodiversität ein zentrales Thema im Standard ist. Uns lagen nur wenige Informationen zu diesem Thema vor.
Darüber hinaus wollten wir sicherstellen, dass unsere Maßnahmen wirklich glaubwürdig wirken. Eine externe Bewertung macht deutlich, dass wir unsere Biodiversitätsprojekte ernst nehmen und transparent dokumentieren – nicht nur intern, sondern auch für alle, die von außen einen Einblick bekommen.
Vincent: Den Biodiversitätscheck selbst durchzuführen wäre sehr aufwendig gewesen, da man sich dabei an Standards halten muss und meinen Kollegen und mir das entsprechende Know-how noch fehlte. Deshalb war es sehr hilfreich und entlastend, die Bewertung extern durchführen zu lassen.
Die Unterstützung von außen gestaltete sich bei uns unkompliziert: Es gab einen Vor-Ort-Termin, bei dem alles vor Ort begutachtet wurde, und im Vorfeld wurden sämtliche relevanten Informationen angefragt, die ich dann so gut wie möglich bereitgestellt habe.
Vincent: Also die Informationsbeschaffung war natürlich aufwendig, aber nicht mehr als jede andere vergleichbare Recherche. Insgesamt gab es daher keine größeren Herausforderungen.
Vincent: Wir wissen jetzt genau, wo wir stehen, und haben eine umfassende IST-Analyse erstellt. Alle wichtigen Dokumente und Informationen wurden zusammengetragen. Besonders hilfreich waren auch die Empfehlungen für weitere Maßnahmen, die sich daraus ergeben haben. So haben wir uns beispielsweise entschieden, Kleinstbiotope für Insekten zu schaffen.
Tatsächlich gab es auch eine positive Überraschung. Da ich vorher nicht in den Bepflanzungsplan der neuen Gebäude eingebunden war, hat es mich überrascht, wie gut die regionale Bepflanzung gewählt wurde. Auch die Beleuchtung wurde clever integriert und alles ist gesetzeskonform umgesetzt.
Vincent: Jain, eine eigene Biodiversitätsstrategie haben wir bisher noch nicht aufgesetzt, da aktuell andere Themen Priorität haben. Nichtsdestotrotz haben wir bereits eine sehr gute Grundlage geschaffen, auf die wir in Zukunft zurückkommen werden.
Wir haben bereits größere Projekte umgesetzt, die sinnvoll zur Förderung der Biodiversität beitragen. Ein Beispiel ist, dass wir jährlich die regionale NABU-Gruppe unterstützen. So fördern wir nicht nur unsere eigene Biodiversität, sondern tragen auch regional zur Unterstützung von Naturschutzprojekten bei.
Als aktives ehrenamtliches Mitglied im NABU und im AGF kann ich nur empfehlen, dass sich Nachhaltigkeitsmanager zusätzlich auch bei regionalen Umweltgruppen und -vereinen informieren.
Vincent: Ja, es ist auf jeden Fall viel einfacher, wenn man nicht alles alleine zusammensuchen und erarbeiten muss. Die externe Unterstützung war hier echt hilfreich. Gerade weil man bei Nachhaltigkeitsstandards ohnehin viele Learnings durchläuft, macht es Sinn, sich bei den ersten Schritte Unterstützung zu holen. So kann man nicht nur die nötigen Schritte effizient umsetzen, sondern auch weitere Maßnahmen leichter in die Wege leiten. Und auch keine Angst falls die Biodiversität noch sehr ausbaufähig ist, der Check des Ist-Stands ist der erste Schritt zu einer besseren Biodiversität.
Über den Interviewpartner Vincent Dhom
Position: Sustainability Manager
Unternehmen: ewimed GmbH
Unternehmensbeschreibung: ewimed ist ein deutsches Medizintechnikunternehmen mit Sitz in Hechingen, das sich auf Drainagesysteme für Pleuraergüsse und Aszites spezialisiert. Mit dem Produkt drainova® ermöglicht ewimed Patienten die selbstständige Drainage zu Hause, reduziert Klinikaufenthalte und legt großen Wert auf Schulung, Sicherheit und Lebensqualität. Das Unternehmen ist in mehreren europäischen Ländern aktiv und setzt auf Werte wie Respekt, Mitgefühl und Nachhaltigkeit.