Letztes Update: 18. März 2026
Nachhaltiger Fußball in Deutschland: Die Bundesliga im Nachhaltigkeits-Check
Entdecke in unserer Übersicht den Nachhaltigkeitsbericht von deinem Lieblingsverein.
Nachhaltigkeit ist längst nicht mehr nur ein Modewort – sie ist eine Verpflichtung gegenüber unserer Umwelt, unserer Gesellschaft und der kommenden Generationen. Im deutschen Profifußball trifft diese Verantwortung in besonderem Maße auf die Bundesliga: 43 Millionen Fußballbegeisterte verfolgen die Spiele, 2,3 Millionen Menschen sind Mitglied in den Muttervereinen der 36 Proficlubs. Die Bundesliga ist dabei weit mehr als ein Sportwettbewerb – sie ist ein gesellschaftlicher Motor, der Trends setzt, Werte vermittelt und Verhalten beeinflusst, oft mehr, als sie selbst realisiert.
Aufgrund seiner hohen öffentlichen Wahrnehmung haben Nachhaltigkeitsentscheidungen im Fußball Wirkung über den Sport hinaus und beeinflussen das Verhalten von Fans, Sponsoren und sogar ganzer Länder.
Prof. Dr. Stefan Schaltegger
Jede Entscheidung für nachhaltige Entwicklung – sei es in der Organisation von Spieltagen, im Stadionbau, bei der Energieversorgung oder im Sponsoring – hat Wirkung weit über die Stadien hinaus. Fußball kann hier nicht nur als Spiegel der Gesellschaft dienen, sondern als Vorreiter. Indem die Bundesliga nachhaltige Wege einschlägt, sendet sie ein starkes Signal an Fans, Partner und politische Entscheidungsträger: Es ist möglich, Leidenschaft für den Sport mit Verantwortung für unsere Zukunft zu verbinden.
Der Profifußball trägt damit eine Macht, die weit über Tore, Siege und Tabellenplätze hinausgeht – er kann Impulse geben, die ganze Generationen prägen und den Weg zu einer lebenswerten, nachhaltigen Welt weisen.
Die Bundesliga wird nachhaltiger
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) engagiert sich seit einigen Jahren zunehmend systematisch für ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit im deutschen Profifußball. Ein Meilenstein war die Aufnahme des Nachhaltigkeitsgedankens in die Präambel der DFL‑Satzung im Jahr 2021, gefolgt von der verbindlichen Verankerung einer umfassenden Nachhaltigkeitsrichtlinie im Lizenzierungsverfahren der Bundesliga und 2. Bundesliga ab der Saison 2023/24 – als erste große Profiligen überhaupt, die Nachhaltigkeitskriterien verpflichtend machen. Diese Richtlinie verlangt von allen 36 Proficlubs unter anderem die Entwicklung und Umsetzung konkreter Nachhaltigkeits‑ und Umweltstrategien sowie jährliche Verbrauchsanalysen etwa zu Energie‑ und Mobilitätsfragen.
Die DFL bündelt ihre Nachhaltigkeitsbemühungen in Austauschformaten, praktischen Maßnahmen und klaren Zielvorgaben: Seit 2022 veranstaltet sie das jährliche DFL Nachhaltigkeitsforum und unterstützt gemeinsam mit dem DFB den Nachhaltigkeitstag, um Vereine zu Themen wie Energieeinsparung, Vielfalt und Inklusion zu beraten. Im Februar 2026 veröffentlichte die DFL ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht und die Ergebnisse können sich sehen lassen:
1. Organisation & Management
- Jeder Club beschäftigt einen Nachhaltigkeitsmanager
- Alle 36 Clubs verfügen über eine Nachhaltigkeitsstrategie und haben direkte Berichtslinie zur Geschäftsführung.
2. Berichterstattung & Transparenz
- 30 Clubs haben einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, davon 18 nach anerkannten Standards.
- Nachhaltigkeit ist in Satzung oder Geschäftsordnung der Clubs verankert.
- Öffentliches Bekenntnis zu allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (ökologisch, sozial, ökonomisch).
3. Umwelt & Klima
- Systematische Erfassung der Treibhausgasemissionen aller Clubs.
- Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Fan-Mobilität (z. B. Car‑Sharing, ÖPNV-Aktionen).
4. Soziales Engagement & Fans
- Preisreduzierte Tickets für bestimmte Personengruppen.
- Maßnahmen zur Förderung sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit in der Region, z. B. lokale Projekte und Engagements.
In kurzer Zeit hat sich im deutschen Profifußball im Bereich Nachhaltigkeit viel entwickelt. Die Clubs haben Strukturen geschaffen, Verantwortlichkeiten definiert und Nachhaltigkeit in ihre Abläufe integriert. Gleichzeitig wurden Maßnahmen zu Umwelt, Mobilität und sozialem Engagement umgesetzt, sodass das Thema heute fest im Alltag der Vereine verankert ist.
Wie nachhaltig ist dein Bundesliga-Club?
Beim Berichtswesen der Bundesligisten zeigen sich deutliche Unterschiede in Häufigkeit und Qualität der Nachhaltigkeitsberichte. Einige Vereine berichten sehr transparent über ihre Maßnahmen und Fortschritte und veröffentlichen regelmäßig umfassende Nachhaltigkeitsberichte, wie zum Beispiel Borussia Dortmund oder der VfL Wolfsburg. Diese Clubs stellen ihre Ziele, Maßnahmen und Entwicklungen nachvollziehbar dar und ermöglichen so einen guten Einblick in ihre Nachhaltigkeitsarbeit.
Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Bundesligavereine wie den FC Bayern München, die nicht regelmäßig berichten und bei denen Umfang und Qualität der veröffentlichten Informationen teilweise hinter den Erwartungen zurückbleiben. Dadurch entsteht insgesamt ein sehr unterschiedliches Bild der Transparenz im Nachhaltigkeitsberichtswesen innerhalb der Bundesliga.
Im Folgenden findest du eine Übersicht über die Nachhaltigkeitsberichte aller Bundesligaclubs.
DFL: "Nachhaltigkeit ist nicht das Kerngeschäft"
Und leider entspricht das auch der Realität. Trotz vieler positiver Entwicklungen unternimmt die DFL noch nicht die nötigen Schritte, um Nachhaltigkeit systematisch und tiefgreifend in der Bundesliga zu verankern.
Ursprünglich sollten alle Nachhaltigkeitskriterien in der festgelegten Richtlinie verpflichtend sein. Vereine, die einzelne Vorgaben nicht erfüllen, hätten damit bestraft werden können. Aktuell sind jedoch nur 19 von 54 Kriterien tatsächlich Pflicht. Einige davon sind anspruchsvoll, wie etwa die Messung des CO₂-Fußabdrucks. Andere lassen sich leichter erfüllen, zum Beispiel die Pflicht zu einem dauerhaften öffentlichen Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und gegen jede Form von Rassismus.
Die Ergebnisse aus dem DFL-Nachhaltigkeitsbericht zeigen, dass die Vereine diese Pflichten größtenteils erfüllen. Mehr als die Hälfte der 19 Pflichtkriterien werden von allen oder fast allen Vereinen umgesetzt.
Eigentlich wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, die Anforderungen zu verschärfen. In der aktuellen Richtlinie heißt es zwar, dass die Anzahl der Pflichtkriterien in den Folgejahren schrittweise steigen soll. Für die kommende Saison ist eine Anpassung jedoch nicht geplant.
Wie kann die Bundesliga noch nachhaltiger werden?
Die Bundesliga kann systematisch nachhaltiger werden. Dafür braucht es den echten Willen aller Beteiligten – nicht nur den Anschein von Engagement. Nur wenn Vereine, Liga, Partner und Fans gemeinsam Verantwortung übernehmen, lassen sich Fortschritte dauerhaft erzielen. Hier sind fünf Vorschläge, wie die nachhaltige Entwicklung gefördert werden kann:
1) Einheitliche Berichtsstandards: Alle 36 Vereine sollten nach denselben KPIs berichten, damit Fortschritte messbar und vergleichbar sind. Dabei steht Qualität vor Quantität im Fokus. Beispiele für wichtige KPIs sind Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch oder Diversitätskennzahlen. Nur die relevantesten KPIs werden ausgewählt, sodass Vereine nicht durch nebensächliche Zahlen abgelenkt werden. Gleichzeitig wird der Berichtsaufwand minimiert, sodass auch kleinere Vereine problemlos einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen können.
2) Klare Rankings und transparente Kommunikation: Die Nachhaltigkeitsleistung der Vereine sollte sichtbar gemacht werden, beispielsweise über einen zentralen Onepager mit allen KPIs der Bundesligavereine, digitale Ranglisten oder Infografiken. Eine offene Kommunikation über Social Media, Stadionhefte oder Newsletter motiviert Vereine und Fans gleichermaßen, nachhaltige Maßnahmen aktiv zu unterstützen.
3) Verschärfte und verpflichtende Nachhaltigkeitskriterien: Alle Kriterien der Nachhaltigkeitsrichtlinie sollten innerhalb der nächsten vier Jahre verpflichtend umgesetzt werden. So wird sichergestellt, dass Nachhaltigkeit nicht optional ist, sondern integraler Bestandteil der Vereinsführung wird.
4) Strikte Sanktionen bei Nichteinhaltung: Verstöße sollten klare Konsequenzen haben, wie Geldstrafen, Punktabzug oder Ausschluss von Liga-Boni. Auf diese Weise werden alle Vereine gleich behandelt und Nachhaltigkeit ernst genommen.
5) Finanzielle Anreize für Vorreiter: Vereine, die besonders nachhaltig handeln, können belohnt werden, etwa durch bevorzugte Verteilung von TV-Geldern oder Liga-Boni. Dies entlastet die Nachhaltigkeitsmanager bei der Identifikation des Business Case und schafft einen direkten Anreiz, kontinuierlich nachhaltige Maßnahmen umzusetzen.
Der Eindruck einer nachhaltigen Liga täuscht
Wenn man groß aufspielt und behauptet, dass alle Bundesligavereine systematisch ihre Treibhausgasemissionen erfassen – diese am Ende des Tages aber nicht veröffentlichen – sagt das schon viel aus.
Natürlich darf man die positiven Entwicklungen nicht kleinreden: Sie sind da, sie sind sichtbar, und sie verdienen Anerkennung. Vereine investieren Zeit, Geld und Energie in Nachhaltigkeit, und das ist wichtig. Es gibt Lichtblicke, die Hoffnung machen.
Doch gleichzeitig bleibt ein bitterer Beigeschmack. Von einer „nachhaltigen Liga“ zu sprechen, wirkt in diesem Kontext fast wie ein schönes Bild auf Papier, das in der Realität verblasst. Grundwerte der DFL wie gesellschaftliche Verantwortung, wirtschaftliche Stabilität und Integrität und Fairness werden noch immer nicht konsequent gelebt. Viel zu oft überwiegen Eigeninteressen und finanzielle Vorteile – und es entsteht der Eindruck, dass Nachhaltigkeit mehr ein Marketingversprechen als gelebte Praxis ist.